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 Gerüchte, Handzettel und Schmierereien

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Salvorn
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BeitragThema: Gerüchte, Handzettel und Schmierereien   Fr Sep 15, 2017 5:43 am

13. März

In den heruntergekommenen Teilen Sturmwinds kann man seit einigen Tagen auf alte, zerknitterte Pamphlete stoßen, die der kalte Wind durch die heruntergekommenen, rattenverseuchten Gassen weht. Nicht viele sind es und man wird sie auch nicht irgendwo angeschlagen oder aufgehangen finden, sondern vielmehr unter dem zahlreichen Unrat am Boden oder vom Wind in Hecken und Sträucher getragen:



Zitat :
Der Winter neigt sich dem Ende. Aber nicht die Dunkelheit, die uns alle seit langem umfängt. Die Hoffnungslosigkeit, die uns eint, verlassen von denen, die sich in unserem Namen rühmen, preisen und deren Worte nichts als Heuchelei sind.
Unser Haupt vor den Götzen mit ihren Titeln ist nicht geneigt in Ehrerbietung, sondern weil das Joch, das wir seit Jahren tragen, unseren Rücken gekrümmt hat, auf dass wir nicht mehr aufrecht stehen können.
Unsere Stimmen sind heiser von unseren Schreien in Leid, Elend und Agonie, übertönt von den dröhnenden Hufen hunderter gerüsteter Soldaten, die in ferne Schlachten ziehen, während wir hungern, siechen, sterben und mit den letzten Kupfermünzen in unseren Taschen den Marmor für selbstgefällige Statuen zahlen, während uns nicht einmal morsches Holz bleibt, um unsere Hütten wieder zu errichten.

Selbstverliebte Heuchler kleiden sich in Lügen und schmücken sich mit Versprechen, die sie niemals gehalten haben, niemals halten werden. Immer neue Reden schwingen sie, uns Augenbinden oder Scheuklappen anzulegen und einem Esel gleich jagen die Einfältigen der Karotte am Stiel hinterher, die da heißt Schutz, Gerechtigkeit und Wohlstand.

Doch es wird Zeit, die Scheuklappen von unseren Augen zu reißen und die Wahrheit zu erkennen. Nicht länger soll man uns Ochse, Ackergaul oder Esel schimpfen können. Nicht länger soll das Joch unseren aufrechten Gang beugen.

Schon bald wird der Morgen dämmern und mit ihm Gerechtigkeit.

<Eine Unterschrift sucht man vergebens. Lediglich eine stilisierte Ähre ist auf die untere rechte Ecke des Pamphlets gezeichnet.>





Zuletzt von Salvorn am Fr Sep 15, 2017 5:51 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Zweiter Handzettel   Fr Sep 15, 2017 5:44 am

16. März

Hält man in den ärmlichen Gegenden der Stadt Sturmwind seine Augen offen, mag man erneut den ein oder anderen Fetzen Pergament auflesen. Auch dieses Mal findet man keine öffentlichen Anschläge. Vielmehr scheinen die Schriftstücke, welche sich da zum restlichen Unrat gesellen, an diverse Einheimische verteilt worden zu sein und ein kleiner Teil davon sein Ende zwischen dem allgegenwärtigen Müll gefunden zu haben. Macht man sich die Mühe, einen dieser Fetzen aufzuheben, kann man nun Folgendes lesen:



Zitat :
Vertraut auf den König und sein Heer wird Euch schützen, sagen sie.
Glaubet und das Licht wird Euch erretten, lobpreisen sie.
Folget und Gerechtigkeit wird herrschen, verkünden sie.
Ehret und auch Ihr werdet geachtet werden, behaupten sie.
Gebet und erfahrt dafür Wohlstand, verheißen sie.

Wie oft, frage ich Euch, werdet Ihr diese Worte noch hören, ehe Ihr erkennt, dass keine Wahrheit in ihnen wohnt? Wie oft kann man einen Menschen belügen, ehe er sieht, dass aus verdorbenem Mund von verdorbenem Geist kein aufrechtes Wort entstammen kann?

Gekleidet in stets neue Phrasen wird das alte Lied angestimmt. Eine Mär des großen Löwen, ungebrochen in seiner Stärke, unübertroffen in seinem Stolz.
Doch dieses Bild verschleiert die Wahrheit einer räudigen, verlausten Raubkatze, die ihren eigenen Jungen die Muttermilch verwehrt und sie in eisiger Kälte verhungern lässt.

Denn keines der Versprechen wurde gehalten.

Wir vertrauten und blieben schutzlos im Angesicht der Dämonen.
Wir glaubten und niemand hat uns errettet.
Wir folgten und die Willkür regierte.
Wir beugten uns tief und wurden in den Dreck getreten.
Wir gaben bis unsere Hände bluteten, doch bekommen haben wir nichts.

Lasst Furcht und Ohnmacht nicht länger Eure Ketten sein, die Euch an das Joch aus Lügen fesseln.

Bald ist die Zeit gekommen, einzufordern, was unser ist. Die Ära von Freiheit und Gerechtigkeit steht bevor.

<Auch dieses Pamphlet wird von der Zeichnung einer stilisierten Ähre in der unteren, rechten Ecke geziert.>





Zuletzt von Salvorn am Fr Sep 15, 2017 5:52 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Dritter Handzettel   Fr Sep 15, 2017 5:46 am

28. März
Und wieder mag man auf eine erneute Ausgabe dieser ominösen Pamphlete stoßen, die in den ärmlicheren Vierteln Sturmwinds und in manchen Gegenden der Provinzen ihre Runde machen. Anschläge wird man zwar auch dieses Mal vergebens suchen. Aber als aufmerksamer Beobachter oder gar Einwohner der Unterschichtsgegenden oder Teil der Landbevölkerung wird man durchaus Kenntnis darüber erlangen können, was da für Zettel gerade die Runde machen.

Dieses Mal lautet der Text wie folgt:




Zitat :
Sehet das in Geschmeide gekleidete, Fleisch gewordene Unrecht!

Wir, das Volk Sturmwinds, schinden uns zu Tausenden, schuften vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang alleinig für den Adel in seinen Burgen, stopfen Mäuler, faulig von Lügen und falschen Versprechen und was bleibt uns selbst?

Wenn tausend Männer ihre Familien mit einem einzigen Brot die Woche nähren und von tausend Männern jede weitere Habe von bloß einem einzigen Mann vereinnahmt wird, wie verfressen muss dieser sein? In welchem Unmaß und welcher Verschwendungssucht muss dieser sich ergehen, dass er noch immer den Hals nicht voll bekommt?

Unser Land ist zerstört, ein Auskommen nicht mehr möglich. Und dennoch fordern und fordern und fordern die Tyrannen aus der Sicherheit ihrer Burgen heraus, zu feige, sich uns, ihrem Volk, von Angesicht zu Angesicht zu stellen. Stattdessen drohen sie uns mit ihren Häschern und Eintreibern, ihren gerüsteten Schergen und Schlägern.

Doch wo war diese militärische Macht, als wir sie gebraucht haben? Wo waren die Männer des Königs, als die Legion über uns hereinbrach und nichts als verbrannte Erde von unseren Landen, unseren Leben übrig ließ?
Ich sage Euch, wo sie waren: Wie feige Hunde haben sie sich hinter sicheren Mauern versteckt und gaben dem Wort Bauernopfer seine wortwörtliche Bedeutung, indem sie uns allein ließen im Angesicht der hässlichsten und abscheulichsten Kreaturen des Nethers.

Die Schwerter der angeblich Noblen, die Knüppel der Wachen, waren nie zu unserem Schutze geschmiedet, sondern um uns klein und gefügig zu halten.

All die Tode Eurer Familien und Freunde waren nicht allein das Werk der Legion, sondern das Ergebnis von Feigheit und Ignoranz derer, die sich edel nennen, aber wie räudige Hunde aus dem Reiche flohen oder sich hinter dickem Gestein in Feiern und Festen ergingen, während wir starben und hungerten und noch immer sterben und hungern.

Genug, sage ich! Wir haben uns lange genug der Knechtschaft der Ausbeuter unterworfen. Die Zeit ist gekommen, das einzufordern, um das wir betrogen wurden, was uns entrissen wurde. Die Zeit ist gekommen, da wir uns erheben müssen, um für unsere Rechte zu kämpfen!

Verzagt nicht! Der Morgen dämmert und der Tag wird das Ende der Tyrannei und aller, die sich an ihrer Brust laben, sehen.

<Auch dieses Blatt trägt die stilisierte Ähre als Markenzeichen in der unteren, rechten Ecke>





Zuletzt von Salvorn am Fr Sep 15, 2017 5:52 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Die Schmierfinken   Fr Sep 15, 2017 5:51 am

2. August
Die Schmierfinken



Die Nacht auf den zweiten Tag des achten Monats – Sturmwind. Es ist schwül, warm, dunkel, als sich düstere Gestalten in finsterem Leder durch die Gassen drücken. Begleitet von einem stetigen Rumpeln und dem Geknatter eines aberwitzigen, morschen Handkarrens voller Müll. Fluchen und maulen sie, flüstern und meckern, dass es etwas Humoristisches hätte an sich haben können, würde nicht jede anständige Seele vermuten können, dass diese vier Galgenvögel gewiss nichts Gutes im Sinn haben. Und wo kaum noch ein ehrbarer Bürger auf offener Straße weilte und zuweilen vor allem Dirnen und ihre Freyer noch herumlungerten oder sich dem Verbreiten der tückischen Lues ergaben, da gingen sie ans Werk. Schwangen einen alten Besen, getränkt von übelriechender, matschig-roter Farbe und schmierten jene in obszönen, krakeligen Karikaturen an die Wände. Doch wurden nicht wahllos die Häuser von Bürgern auserkoren – hätte das wohl auch zuviel Aufmerksamkeit auf sich gezogen – sondern hat man sich auf einige, wenige Örtlichkeiten des sturmwinder Straßenbildes beschränkt.

In der Altstadt, unweit der bekannten Kneipe zum „Pfeifenden Schwein“ wurde ein Bild angebracht, welches offenbar einen Strichmännchen-König abbildet, der von einem Galgen baumelt. Dazu prangt der Schriftzug: „Jedem das seine“, wohl dem König seinen – dem Verfasser gemäßen – gerechten Lohn zu wünschen. Den Tod eines gemeinen Diebes am Galgen. Doch war dies nur der erste, gewiss nicht aber der letzte Streich.





Beim Übergang vom Zwergenviertel hin zum Kathedralendistrikt zeichnet sich ein ähnliches Bild. Der Strichmännchen-König, dick und mit einem Hähnchenschenkel in der Hand, wird als fetter Genussmensch verunglimpft, mit der Frage behaftet: „Hat er je gehungert?“, offenbar angespielt auf die exklusiven und sehr reich ausgeschmückten Bankette bei Hofe, während die Landbevölkerung Westfalls Hunger litt – und Menschen vor den Toren Sturmwinds abgewiesen oder vertrieben wurden.





Auch die Rückseite der Kathedrale, hingewendet zum idyllischen See von Sturmwind, blieb nicht ungeschändet. In einem unbeobachteten Moment und einer waghalsigen Räuberleiter wurde der Künstler hinaufgehievt, nur um König und Kirche als raffgierige Langfinger zu zeigen. „Jede Münze dem Himmelreich“, spottend über den jungen Priesterkönig auf dem Thron des Löwen.





Am Hafen dann, dem Ort von leichten Mädchen und dem Duft von altem Fisch, sinkt das Niveau der Zeichnung ab, sich dem verrufenen Distrikt gleich zu machen. Ist es nun der König in seiner Strich-Gestalt, der sich an einem Vierbeiner, einem Esel wohl, dumm und störrisch, zu vergehen scheint. Gleich dem Spruch: „Der König und sein Volk!“ - während an einen Strick eine,
so ganz und gar schändliche, vogelscheuchenartige Puppe gehängt wurde. Gleich einem Erhängten, der von weitreichendem Geäst baumelte. Den König von Sturmwind selbst darzustellen, den man wohl aufgehängt zu sehen erhofft.





Die Farbe, wohl selbst angemischt, dürfte kaum zwei Regengüsse überstehen – am Morgen des Tages danach aber sicherlich eine nette Überraschung für jeden, der an diesen Bereichen vorbeieilen musste, seinem Tagwerk nachzugehen. Eine Botschaft, die offenkundig geschickt wurde – und die, wer immer Augen im Kopf hat zu sehen, vernehmen durfte.
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Gerüchte, Handzettel und Schmierereien
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